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Kurze Geschichte Irlands

Die Geschichte Irlands ist geprägt von einer Reihe von Invasionen und Besiedlungen durch fremde Völker. Kelten, Wikinger, Normannen, Engländer und Schotten haben alle ihre Spuren in der irischen Geschichte, Geografie, Kultur, Sprache und Bevölkerung hinterlassen.

Prähistorisches Irland

Die früheste Besiedlung erfolgte durch Jäger und Sammler, die Irland um das Jahr 8.000 v. Chr.  in der Mittleren Steinzeit erreichten. Noch heute ist Irlands Landschaft übersät von beeindruckenden Megalithgräbern aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. Das berühmteste Beispiel befindet sich in Newgrange; die zentrale Kammer in seinem Inneren ist auf den Sonnenaufgang zur Winterzeitenwende ausgerichtet, was die Grabanlage zu einem uralten Sonnenobservatorium macht. Die ersten keltischen Stämme erreichten Irland etwa im 6. Jh. vor Christus und übten einen bleibenden Einfluss auf die Insel aus. Die irische Sprache zählt zur Familie der keltischen Sprachen, und auch Kunst und Kultur in Irland zeigen starke Einflüsse durch die Kelten.

Das Christentum in Irland

Der Heilige Patrick, Irlands Landespatron, hat der Legende nach im 5. Jh. das Christentum nach Irland gebracht. Irland war damals eine agrarisch orientierte Gesellschaft ohne bedeutende Städte. Die ersten großen Klöster spielten daher bald eine bedeutende Rolle im sozialen und politischen Leben der Iren. Einige von ihnen sind heute noch zu sehen, so etwa Glendalough in der Grafschaft Wicklow oder Clonmacnoise in Zentralirland. Glendalough

 

Der Aufstieg der irischen Klöster führte auch zu einer Blüte der irischen Kunst und des Handwerks, insbesondere der Metallarbeiten und illuminierten Handschriften, wie etwa das weltberühmte Book of Kells, welches heute im Trinity College in Dublin ausgestellt ist, oder die Brosche von Tara, die im Nationalmuseum in Dublin zu sehen ist.

 

 

Die Wikinger

Um das Jahr 800 n. Chr. begannen die ersten Überfälle der Wikinger, welche über die nächsten Jahrhunderte regelmäßig die reichen Klöster heimsuchten und letztendlich deren Untergang bewirkten. In weiterer Folge gründeten die Wikinger eine Reihe von Handelsstationen in Irland, welche im Laufe der Zeit zu größeren Siedlungen und Städten heranwuchsen, so zum Beispiel Dublin, Cork, Limerick und Waterford.

Die normannische Invasion

Normannische Söldner landeten im Jahr 1169 von England kommend an der irischen Küste; sie waren von einem irischen Adeligen zu Hilfe gerufen worden, der seinen Titel und seine Länder verloren hatte und hoffte, diese mit auswärtiger Hilfe zurückzuerobern. Wenig später sandte Heinrich II von England seine Truppen nach Irland, um seinerseits die Kontrolle über die normannische Armee in Irland zu behalten und ernannte sich selbst zum Herrscher über Irland. Die Präsenz der Normannen hatte tiefgreifende Auswirkungen auf der Insel, aber nach und nach passten sich viele der irischen Kultur an, lernten die irische Landessprache und heirateten in irische Familien ein. Noch Ende des 15. Jahrhunderts war der englische Einfluss auf Irland auf eine relative kleine Enklave rund um Dublin beschränkt, das sogenannte „Pale“.

Die frühe Neuzeit in Irland

Die englischen Tudors begannen im 16. Jahrhundert eine großangelegte Aktion zur Wiedereroberung Irlands. Heinrich VIII erklärte sich selbst zum König von Irland und startete eine umfassende Besiedlung durch englische Untertanen begleitet von einer Reihe militärischer Vorstöße; er unternahm auch erhebliche Anstrengungen, um der katholischen Bevölkerung Irlands den Protestantismus aufzuzwingen. Mit der Schlacht von Kinsale im Jahr 1601 konnte die Eroberung Irlands schließlich abgeschlossen werden.

Ein irischer Aufstand im Rahmen des englischen Bürgerkrieges wurde durch den britischen Heerführer Oliver Cromwell in den Jahren 1649 und 1652 unter großem Blutvergießen niedergeschlagen. Große Landstriche fruchtbaren Bodens wurden konfisziert und unter den Cromwell’schen Soldaten und schottischen Siedlern aufgeteilt; viele irische Familien wurden vertrieben; die bitteren Erinnerungen an diese Zeit sollten für Jahrhunderte in Irland lebendig bleiben. Strenge Strafgesetze gegen Katholiken wurden im 17. Jahrhundert eingeführt, von einem Verbot, den katholischen Glauben zu praktizieren und der Ächtung von katholischen Geistlichen bis zu Gesetzen, die es für Katholiken unmöglich machten zu wählen, ein öffentliches Amt zu bekleiden oder Land zu besitzen.

Modernes Irland

Die Spannungen zwischen der britischen Regierung und der irischen Bevölkerung setzten sich weiter fort. Eine Hungersnot, ausgelöst durch mehrere Ausfälle der Kartoffelernte in den 1840er Jahren sollte schließlich der Wendepunkt werden. Der sogenannte “Famine” hatte katastrophale Auswirkungen auf die katholischen Kleinpächter: Etwa eine Million verhungerte, eine weitere Million wanderte aus; insgesamt fiel die irische Bevölkerung um 20-25%. Sowohl für die in Irland Verbleibenden als auch für die Auswanderer wurde die Hungersnot zu einem Sammelpunkt für nationalistische Gruppierungen, die die Unabhängigkeit Irlands anstrebten. Eine Reihe von Bewegungen und Vereinigungen wurde gegründet, um die Sache der katholischen Emanzipation, Landreformen und eine selbstständige Regierung Irlands zu unterstützen, wie auch generell die irische Kultur zu fördern. Dem irischen Politiker Charles Stewart Parnell gelang es, diese Fragen in den Mittelpunkt britischer Politik zu rücken.

Auf dem Weg zu einem irischen Staat Proclamation

Im Jahr 1914 verabschiedete das Parlament in Westminster einen Gesetzesvorschlag zur autonomen Selbstverwaltung (Home Rule Bill), welcher Irland das Recht auf Selbstregierung geben sollte, aber die Umsetzung des Gesetzes wurde wegen des Ausbruchs des 1. Weltkriegs verschoben. Am Ostersonntag, dem 23. April 1916, begannen die Irish Volunteers und die Irish Citizen Army einen bewaffneten Aufstand in Dublin und proklamierten die Unabhängigkeit Irlands. Der Aufstand wurde nach einigen Tagen niedergeschlagen. Die Hinrichtung einer Reihe ihrer Anführer, unter ihnen Patrick Pearse und James Connolly, ließ die öffentliche Stimmung auf einen neuerlichen Tiefpunkt sinken.

Bei den Wahlen von 1918 erlangte die Unabhängigkeitspartei Sinn Féin eine überwältigende Mehrheit; die neuen Abgeordneten weigerten sich, ihre Sitze in Westminster einzunehmen, sondern bildeten die erste Dáil, ein unabhängiges Parlament in Dublin, unter der Führung von Eamon de Valera (der später zum Taoiseach (Premierminister) und schließlich auch zum irischen Staatspräsidenten gewählt wurde). Der darauffolgende Unabhängigkeitskrieg (1919-1921) wurde formell beendet mit der Unterzeichnung des Anglo-Irischen Abkommens vom Dezember 1921, durch welches das Land in zwei Teile geteilt wurde, den unabhängigen Freistaat (26 Grafschaften) und 6 Grafschaften in Ulster, welche weiterhin dem Vereinigten Königreich angehörten und als Nordirland bezeichnet werden. Die neue Regierung und die gegen das Abkommen gerichteten Kräfte bekämpften sich in einem Bürgerkrieg, welcher 1923 beendet wurde. Dieser Bürgerkrieg war ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte Irlands, welches die politischen Weichen für die weiteren Jahrzehnte stellte. Die erste Regierung des neuen irischen Staates wurde von W.T. Cosgrave und seiner Partei Cumann na nGaedheal angeführt, welche später in Fine Gael umbenannt wurde. Die zweite Partei in der irischen Politik, Fianna Fáil, wurde in den 1930ern zur dominierenden Kraft im Lande.

Bunreacht na hEireann

 Bunreacht na hÉireann, die zweite irische Verfassung, wurde im Jahr 1937 durch die Bevölkerung beschlossen. Der irische Freistaat wurde 1949 in Republik Irland umbenannt und wird heute im Allgemeinen als Irland bezeichnet.

Während des 2. Weltkriegs blieb Irland – wie auch im 1. Weltkrieg – neutral. Allerdings kämpften viele Iren in den Kriegsjahren tapfer auf Seiten der Alliierten. Im Jahr 1955 wurde Irland in die Vereinten Nationen aufgenommen, 1973 trat das Land der Europäischen Union bei. Diese Entwicklungen und der schwindende Einfluss der Kirche, haben in Irland zu einer offeneren und sekularen Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur geführt.