Der älteste in Irland produzierte Feature-Film wurde nun mit musikalischer Begleitung aus der Feder eines der größten irischen Komponisten zum Leben erweckt.
Der Film Irish Destiny (1926) nimmt einen Sonderplatz in der Geschichte der irischen Filmproduktion ein. Er war der erste Spielfilm, der sich mit dem Thema Unabhängigkeitskrieg auseinandersetzte; einige der Darsteller waren ehemalige IRA-Mitglieder. So war etwa Kit O’Malley, der militärische Berater der Produktion selbst Adjutant in der Dubliner Brigade der IRA. Irish Destiny war der erste und einzige Film von Isaag (Jack) Eppel, einem Dubliner Arzt und Apotheker, der als Impresario im Theater und Kinobesitzer Karriere machte und für den Film sowohl das Drehbuch schrieb als auch als Produzent fungierte.
Die Spielfilmsequenzen wurden 1925 in Dublin, Wicklow und den Shepherd's Bush Studios in London gedreht. Die mit diesen Szenen verwobenen Wochenschauberichte stammen aus der Berichterstattung über die Plünderung von Cork im Dezember 1920 und den Brand des Dubliner Custom House im Mai 1921. Der Film hatte am Ostersonntag des Jahres 1926 in Corinthian Cinema Premiere – genau 10 Jahre nach dem Osteraufstand. Er erhielt glänzende Kritiken in den Zeitungen: „Irish Destiny verbindet großartige Elemente aus Kunst, Action, Landschaft und Photographie. Ein Triumph des irischen Unternehmergeistes!“, schrieb etwa die Dublin Evening Mail am 10.4.1926.
Mit der neuen Ära des Tonfilms verschwand der Film aus den Kinos und geriet in Vergessenheit – erst in den frühen 1990er-Jahren startete das damals frisch gegründete Irische Filmarchiv eine internationale Suche nach dem originalen 35-mm Print, der auch wirklich im Keller der Library of Congress in Washington gefunden wurde, wo er seit seiner Einlagerung im Jahr 1927 unbemerkt geruht hatte.
Die Filmrolle wurde restauriert und mit finanzieller Unterstützung des irischen Arts Council wurde eine neue Vertonung bei Mícheál Ó Súilleabháin in Auftrag gegeben, um dem alten Stummfilm neues Leben einzuhauchen. Im Jahr 1993 konnte der restaurierte Film mit voller Orchesterbegleitung und Musik von Mícheál Ó Súilleabháin’s neu aufgeführt werden und wurde von Publikum und Kritikern gleichermaßen begeistert aufgenommen. Im Jahr 2006 gab es wieder eine Live-Präsentation mit Orchester von Irish Destiny in der National Concert Hall.
Die Präsentation des Films mit Filmmusik im großartigen Gebäude des Flagey bringt diesmal eine Kombination von Ó Súilleabháin’s Musik mit dem irischen Dirigenten Proinnisas O Duinn, der erstmals mit dem Orchestre Royal de Chambre de Wallonie zusammenarbeitet.
Bemerkungen zur Vertonung von Mícheál Ó Súilleabháin, Komponist:
„Ich habe die Musik zu Irish Destiny etwa dreißig Jahre nach Seán Ó Riadas Musik zu Mise Éire (1959) geschrieben – zu einer Zeit als der Stolz auf uns selbst ein notwendiger Schritt auf dem Weg zur Selbstachtung war, und Ó Riadas Vertonung ist unzweideutig in seiner Emotionalität. Seine Vertonung entstand allerdings dreißig Jahre nachdem der Film Irish Destiny produziert wurde – in gewisser Weise ehrt diese Arbeit also beide Augenblicke und bezieht ihre Weisheit auf beiden.
Meine Hoffnung ist, dass diese Musik in Frage stellt ohne sich zu entschuldigen, stolz ist ohne arrogant zu sein, und vor allem, dass sie den menschlichen Freiheitsdrang feiert, gleich in welcher Tradition dieser auch stehen mag.“
Genießen Sie eine Hörprobe aus der Vertonung von Irish Destiny für Orchester: "Hope"
Mícheál Ó Súilleabháin ist einer der führenden irischen Musiker und Komponisten unserer Zeit.
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